Zurück, aber nicht wie früher: PULL N WAY bei «Made in Switzerland»
PULL-N-WAY-Sängerin Mylène Schuler sprach bei Spitalradio LuZ über KI-Musik, Millionen Streams, eine intensive Studiowoche in Australien und ihre ersten Songs als Kind.
Bild: PULL N WAY (Pressebild 2026)
Von der Achtjährigen mit Tagebuchsong zur digitalen Stimme
Mylène Schuler von PULL N WAY sprach bei «Made in Switzerland» über Australien, Schule, Familie, künstliche Intelligenz und ihr musikalisches Comeback
Ein musikalisches Leben zwischen Kinderzimmer, Klassenzimmer, internationalen Studios und künstlicher Intelligenz: Mylène Schuler von PULL N WAY war am Montagabend, 10. August 2026 zu Gast bei «Made in Switzerland» auf Spitalradio LuZ und stellte sich zwischen 19 und 20 Uhr den Fragen von Musikchef und Moderator Andi Balsiger. Im ausführlichen Gespräch blickte die Sängerin und Songwriterin nicht nur auf die bewegte Geschichte ihres Projekts zurück, sondern gewährte auch viele persönliche Einblicke. Sie erzählte von ihrem allerersten selbst geschriebenen Lied als Achtjährige, von einer aussergewöhnlichen Albumproduktion in Australien, von ihrem Alltag als Primarlehrerin und Mutter – und davon, weshalb sie vom Einsatz ihrer eigenen Stimme in der Welt der künstlichen Intelligenz fasziniert ist.
Eine Woche Australien – und kaum Zeit für Melbourne
Die Geschichte von PULL N WAY begann 2016. Mylène Schuler aus Menzingen im Kanton Zug suchte damals nach einer zweiten Stimme und fand über Instagram die Luzerner Sängerin Jana Decorvet. Gemeinsam gründeten sie PULL N WAY und entwickelten einen elektronischen Popsound, der sich bereits früh über die Schweizer Grenzen hinaus orientierte. 2018 folgte ein besonders aussergewöhnliches Kapitel, an das sich Schuler im Interview bei Spitalradio LuZ gerne erinnerte: Für die Aufnahmen und die Produktion eines Albums flogen die beiden Sängerinnen für eine Woche nach Australien. Die Tage waren allerdings so dicht mit Studioarbeit gefüllt, dass von Melbourne kaum etwas zu sehen war. Gerade einmal einen Tag konnte Schuler nutzen, um die Stadt etwas kennenzulernen. Dennoch blieb die Reise für sie ein besonderes Erlebnis und ein Höhepunkt aus der frühen Zeit von PULL N WAY. 2019 erschien schliesslich das Debütalbum «Colours».
2020 verliess Jana Decorvet das Projekt, während Mylène Schuler unter dem Namen PULL N WAY alleine weitermachte. Aus dem ursprünglichen Duo entwickelte sich zunehmend ihr eigenes musikalisches Projekt, offen für wechselnde Produzenten, Songwriter und internationale Kooperationen. Heute arbeitet Schuler eng mit Produzent Andy Prinz zusammen und bewegt sich musikalisch zwischen melodischem Pop, Electronica, Dance und cineastischen Klangwelten. Mehr als elf Millionen Streams, erfolgreiche Radiotitel und zahlreiche internationale Zusammenarbeiten zeigen, dass dieser Weg funktioniert. Nach mehreren ruhigeren Jahren erscheinen seit Mai 2026 wieder regelmässig neue Songs – darunter auch die aktuelle Single «So Hard», die im Gespräch natürlich ebenfalls Thema war.
Wenn die eigene Stimme digital weiterlebt
Besonders spannend wurde es, als es um künstliche Intelligenz ging. Mylène Schuler stellt ihre Stimme auf einer entsprechenden Plattform als lizenziertes digitales Stimmenmodell zur Verfügung. Produzenten können dadurch Musik entwickeln, die mit einer künstlich erzeugten Version ihres Gesangs ausgestattet wird. Dass eine digitale Stimme tatsächlich so klingen kann, als hätte sie selbst im Studio gestanden, beeindruckt Schuler nach eigener Aussage immer wieder. Sie sei von der Qualität und der Umsetzung der Produktionen fasziniert und erkenne ihre eigene Stimme darin deutlich wieder. Gleichzeitig bedeutet die Technologie keineswegs, dass ihre Kontrolle über die Musik verloren geht: Veröffentlichungen mit ihrer digitalen Stimme müssen von ihr zuerst geprüft und freigegeben werden. Erst wenn sie mit dem Resultat einverstanden ist, darf ein entsprechender Titel veröffentlicht werden.
Damit gehört PULL N WAY zu jenen Projekten, die künstliche Intelligenz nicht grundsätzlich als Konkurrenz zur klassischen Musikproduktion betrachten, sondern als zusätzliches kreatives Werkzeug. Gerade für eine Sängerin ist diese Entwicklung besonders interessant: Die eigene Stimme kann in einem Song auftauchen, ohne dass sie selbst jede einzelne Gesangsspur klassisch eingesungen hat. Dennoch bleibt Mylène Schuler als Künstlerin Teil des Entscheidungsprozesses. Im Gespräch wurde deutlich, dass sie diese neuen Möglichkeiten mit grosser Neugier verfolgt und gleichzeitig darauf achtet, dass Qualität und musikalische Identität stimmen.
Musik zwischen Schulzimmer und Familienalltag
Musik begleitet Mylène Schuler jedoch längst nicht nur im professionellen Studio. Sie arbeitet auch als Lehrerin einer ersten und zweiten Primarklasse und integriert Musik regelmässig in ihren Schulalltag. Dabei zeigte sich im Gespräch eine ganz andere Seite der Sängerin. Die Kinder singen heute beispielsweise gerne Schweizer Mundartsongs wie «Chliini Händ» von Kunz. Für Schuler ist Musik damit nicht nur Beruf und persönliche Leidenschaft, sondern auch etwas, das sie an eine neue Generation weitergeben kann. Vielleicht ist ihr dieser spielerische Zugang zur Musik auch deshalb so wichtig, weil sie selbst ausgesprochen früh mit dem Songwriting begann.
Ihr allererstes Lied schrieb Mylène Schuler nämlich bereits im Alter von acht Jahren. Die Inspiration lieferte damals ihr eigenes Tagebuch. Was sie beschäftigte, verwandelte sie schon als Kind in Musik – allerdings noch nicht auf Englisch, wie dies heute bei PULL N WAY meistens der Fall ist. Im Rückblick wirkt diese Geschichte beinahe wie ein früher Hinweis darauf, wohin ihr Weg führen sollte: Persönliche Gedanken und Erlebnisse in Songs zu verwandeln gehört bis heute zu ihrer Arbeit. Dass Musik für sie jedoch nicht nur aus Veröffentlichungen, Streams und Studioaufnahmen besteht, zeigte eine weitere persönliche Geschichte aus dem Interview. Ihrem dreijährigen Sohn singt sie am Abend manchmal in den Schlaf. Auch zuhause gehört Musik für sie somit ganz selbstverständlich zum Leben.
«So Hard» und der Neustart von PULL N WAY
Die aktuelle Single «So Hard» steht exemplarisch für die neue Phase von PULL N WAY. Der Song erzählt vom Wiedersehen mit einem Menschen, der einmal sehr wichtig war und sich Jahre später gleichzeitig vertraut und fremd anfühlt. Alte Gefühle und Erinnerungen tauchen plötzlich wieder auf, obwohl man glaubte, mit der Vergangenheit längst abgeschlossen zu haben. Geschrieben wurde der Titel von der britischen Songwriterin Anna Neale. Musikalisch rückt «So Hard» Mylène Schulers Stimme wieder stärker ins Zentrum und verbindet eine eingängige Popmelodie mit moderner elektronischer Produktion.
Das Gespräch bei «Made in Switzerland» zeigte dabei eindrücklich, wie viele unterschiedliche Welten inzwischen unter dem Namen PULL N WAY zusammentreffen: die ersten selbst geschriebenen Lieder eines achtjährigen Mädchens, eine spontane musikalische Partnerschaft über Instagram, eine Albumproduktion auf der anderen Seite der Welt, Millionen Streams, internationale Zusammenarbeit, der Alltag als Primarlehrerin und Mutter sowie eine digitale Version der eigenen Stimme, mit der heute völlig neue Songs entstehen können.
Musik zieht sich durch ihr ganzes Leben
Vor allem aber wurde deutlich, dass Mylène Schuler ihre Freude an der Musik behalten hat. Ob im professionellen Studio, im Schulzimmer oder zuhause beim Einschlafen ihres Sohnes – Musik begleitet sie durch unterschiedlichste Bereiche ihres Lebens. Und nach der längeren musikalischen Ruhephase ist PULL N WAY 2026 wieder deutlich hörbar zurück.
Das vollständige Gespräch mit Mylène Schuler von PULL N WAY gibt es direkt im Anschluss an diesen Beitrag als Podcast zum Nachhören.
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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort
So ein tolles Interview.
Der Song “ SO HARD “ ist mega 🙂