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Ein Hauch Schweizer Popgeschichte war am Dienstagabend, 4. August 2026 bei Spitalradio LuZ zu spüren: Sonia Heller besuchte die Sendung «Made in Switzerland» und stellte sich während einer Stunde den Fragen von Musikchef und Moderator Andi Balsiger. Im ausführlichen Gespräch erzählte die Westschweizer Sängerin von ihrer bewegten musikalischen Laufbahn, ihrer Zeit als Frontfrau von Core beziehungsweise Core22 und ihrem heutigen Leben als Solokünstlerin zwischen verschiedenen Ländern und Kulturen.
Dass Sonia Heller persönlich im Studio Platz nahm, war keineswegs selbstverständlich. Die Sängerin verbrachte nach dem Ende von Core22 viele Jahre ausserhalb der Schweiz und lebte unter anderem in Dubai und Indien. Auch heute ist sie weiterhin eng mit Dubai verbunden und hält sich nur zeitweise in der Schweiz auf. Umso grösser war die Freude bei Spitalradio LuZ, dass sie einen ihrer Aufenthalte in der Heimat für einen Besuch im Studio nutzte. Ihre Biografie ist geprägt von Aufbruch, Neuanfängen und der Bereitschaft, vertraute Wege hinter sich zu lassen – Themen, die sich auch in vielen ihrer heutigen Songs wiederfinden. Auf ihrer offiziellen Internetseite beschreibt sie ihre Musik als geprägt von zwei Jahrzehnten zwischen Indien und Dubai, von der Entfernung zur Heimat und vom späteren Zurückfinden zum eigenen Songwriting.
Sonia Heller wurde am 30. Januar 1962 in Pully bei Lausanne geboren. Bereits in jungen Jahren lernte sie Flöte und Klavier und begann damit, eigene musikalische Ideen zu entwickeln. Später studierte sie an der Universität Lausanne russische und englische Literatur sowie Philosophie. Bevor sie als Sängerin einem grösseren Publikum bekannt wurde, spielte sie Keyboard in verschiedenen regionalen Formationen. Diese breite kulturelle und musikalische Ausbildung prägte nicht nur ihre Texte, sondern auch ihre Fähigkeit, persönliche Erfahrungen in atmosphärische und emotional vielschichtige Songs zu verwandeln.
Ein wichtiger Teil des Interviews war Sonias Zeit mit Core22. Die Gruppe wurde 1994 in Lausanne zunächst unter dem Namen Core gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten neben Sonia Heller die Musiker Guillaume Desboeufs, Dick Sunday, Claude Müller und Yann Roullier. Sonia war damit tatsächlich die einzige Frau in der ursprünglichen Besetzung. Sie übernahm Gesang und Keyboard und entwickelte sich rasch zum unverwechselbaren Gesicht und zur prägenden Stimme der Band. Ende 1999 wurde Core in Core22 umbenannt, da der bisherige Name bereits von einer amerikanischen Gruppe verwendet wurde. Die Zahl 22 galt der Band als Glückszahl.
Mit ihrem Debütalbum «Transformer» machte die Gruppe 1996 erstmals international auf sich aufmerksam. Das Album erreichte Platz vier der deutschen Alternative-Charts. Es folgten «Not Your Size» und «Hold Your Breath», ehe Core22 ihren ursprünglich kantigen Alternative-Rock zunehmend mit eingängigen Popmelodien, elektronischen Elementen und ruhigeren Klangfarben verband. Songs wie «Dive Into The Ocean», «Sorry», «Fly» und «Heart on Fire» machten die Band über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Mit «Crocodile» fand die Gruppe sogar bei amerikanischen College-Radiostationen Beachtung. Das 2001 veröffentlichte Album «Massive Love» erhielt gute Kritiken, während «Nuance» aus dem Jahr 2003 eine deutlich ruhigere und stärker vom Pop geprägte Seite der Band zeigte.
2004 blickte Core22 mit dem Best-of-Album «Replay» auf die ersten zehn gemeinsamen Jahre zurück. Zwei Jahre später erschien mit «Killer Love Angel» das letzte Studioalbum der Gruppe. Im Herbst 2006 löste sich Core22 auf. Im Gespräch bei Spitalradio LuZ blickte Sonia Heller auf diese intensive Zeit zurück und sprach darüber, wie sich die Band, ihre Mitglieder und ihre musikalischen Vorstellungen über die Jahre verändert hatten. Dabei wurde auch deutlich, weshalb sie heute nicht mehr mit ihren früheren, ausschliesslich männlichen Bandkollegen auftritt, sondern ihre eigenen musikalischen Ideen als Solokünstlerin verwirklicht. Statt eine Neuauflage der Vergangenheit anzustreben, richtet sie ihren Blick bewusst nach vorn und erzählt heute jene Geschichten, die zu ihrem gegenwärtigen Leben und ihrer persönlichen Entwicklung passen.
Nach der Auflösung der Band verliess Sonia Heller das klassische Musikgeschäft zunächst weitgehend. Sie zog nach Dubai, lebte später auch in Indien und engagierte sich unter anderem für benachteiligte Kinder. Gegenüber dem «Blick» bezeichnete sie sich 2021 als Nomadin und erklärte, dass sie das Leben in anderen Kulturen seit jeher fasziniert habe. Diese Jahre fernab der Schweizer Musikszene waren somit kein blosser Unterbruch, sondern ein prägender Lebensabschnitt, der ihre Sicht auf Menschen, Heimat, Mitgefühl und gesellschaftliche Verantwortung nachhaltig beeinflusste.
2021 meldete sich Sonia Heller mit «All Over You» als Solokünstlerin zurück. Es folgten unter anderem «Cherry Tree», «Open Your Heart», «Ready To Die», «Say Forever» sowie neue Fassungen früherer Songs wie «Sorry». Ihre Solomusik ist persönlicher und stärker von ihren eigenen Erlebnissen geprägt als viele Produktionen aus der Core22-Zeit. Sie verbindet melodischen Pop mit nachdenklichen Texten und beschäftigt sich mit Verlust, Erinnerung, Hoffnung, Heimat und der Kraft, nach schwierigen Lebensphasen wieder aufzustehen. Mit «Open Your Heart» unterstützte sie gemeinsam mit den Khalifa City Lost Boys zudem ein Tierschutzprojekt in Abu Dhabi.
Natürlich stand bei ihrem Besuch auch ihre aktuelle Single «Smile When It Rains» im Mittelpunkt. Der am 10. Juli 2026 veröffentlichte Song handelt davon, den Mut und die Zuversicht selbst dann nicht zu verlieren, wenn das Leben anders verläuft als erhofft. Getragen von Klavierklängen, einer warmen Popproduktion und Sonia Hellers klarer Stimme vermittelt der Titel Hoffnung, ohne schwierige Momente zu beschönigen. Die Botschaft wirkt gerade deshalb glaubwürdig, weil Sonia Heller in ihrem eigenen Leben mehrfach neu beginnen musste und erfahren hat, dass Veränderungen nicht nur Verluste, sondern auch neue Möglichkeiten mit sich bringen können.
«Smile When It Rains» wurde in den legendären Abbey Road Studios in London gemischt und gemastert. Musikalisch zeigt der Titel eine helle und lebensbejahende Seite der Sängerin. Er erinnert daran, dass Zuversicht nicht bedeutet, Probleme zu verdrängen. Vielmehr geht es darum, auch unter dunklen Wolken nach einem Lichtblick zu suchen – oder, wie es der Songtitel ausdrückt, im Regen trotzdem zu lächeln.
Der Besuch von Sonia Heller bot den Hörerinnen und Hörern von «Made in Switzerland» damit weit mehr als einen gewöhnlichen Rückblick auf eine erfolgreiche Musikkarriere. Das Gespräch spannte den Bogen von den Anfängen in der Westschweiz über die grossen Jahre mit Core22 bis zu einem Leben zwischen der Schweiz, Dubai und Indien. Gleichzeitig zeigte es eine Künstlerin, die sich nicht auf früheren Erfolgen ausruht, sondern mit Offenheit, Lebenserfahrung und neuer musikalischer Energie ihren eigenen Weg weitergeht.
Für Spitalradio LuZ war es eine besondere Freude, Sonia Heller während ihres Aufenthalts in der Schweiz im Studio begrüssen zu dürfen. Mit ihren Erinnerungen, ihrer offenen Art und ihrer aktuellen Musik sorgte sie für eine ebenso persönliche wie spannende Ausgabe von «Made in Switzerland».