Wie viel Kitsch verträgt ein Rocksong? Eine ganze Menge – wenn er ehrlich gemeint ist und aus dem Leben kommt. Genau dort setzt Shädy mit «Malibu» an. Der Song führt an einen Ort, der für viele nach Sehnsucht, Sonnenuntergang, Meer, Freiheit und Rock’n’Roll klingt. Malibu steht hier nicht nur für eine Kulisse, sondern für ein Gefühl: die Sonne verschwindet am Horizont, die Schwere des Alltags löst sich für einen Moment auf, und zurück bleibt diese Mischung aus Melancholie, Hoffnung und einem Hauch bewusst zugelassenem Kitsch.
Shädy, der Sänger aus Biel, prägt die Schweizer Hardrockszene seit mehr als 40 Jahren. In den frühen 80er-Jahren machte er unter dem Künstlernamen David Leach erste musikalische Schritte als Gitarrist der Band Geneva. Dieses Kapitel führte ihn bereits früh in die USA und legte einen wichtigen Grundstein für seine spätere Laufbahn. Danach war er als Frontmann verschiedener Rockformationen aktiv und arbeitete unter anderem mit aktuellen und ehemaligen Mitgliedern von Krokus zusammen. Zu seinen Stationen zählen Bands wie Ain’t Dead Yet, Dog Eat Dog – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Crossover-Band aus New Jersey – und Grand Mothers Painkiller. Parallel dazu trieb er in den 90er-Jahren seine Solokarriere voran. Nach einer längeren Schaffenspause stand er ab 2010 wieder als Sänger der Bieler Rockband Shadox auf der Bühne.
Mit «Malibu» liefert Shädy nun den ersten Vorgeschmack auf sein neues Soloalbum «Desire». Darauf verdichtet er seine lange musikalische Geschichte in zehn kraftvolle Songs. Die Vorabsingle zeigt einen Musiker, der nicht einfach Vergangenes wiederholen will, sondern mit hörbarer Reife auf seine Karriere blickt. Shädy weiss, woher er kommt, aber er bleibt nicht in der Nostalgie stecken. Statt nur auf harte Gitarrenriffs und klassische Hardrock-Gesten zu setzen, gibt er auf «Malibu» auch akustischen Elementen, Streichern und Slide-Gitarren Raum. Das macht den Song offener, wärmer und emotionaler.
In der Schweizer Hardrockszene wurde Shädy vielleicht nie so breit wahrgenommen wie Marc Storace oder der 2010 verstorbene Steve Lee. Dennoch gehört er zu jenen Musikern, die über Jahrzehnte beharrlich, leidenschaftlich und mit eigener Handschrift ihren Weg gegangen sind. Als Sänger, Gitarrist, Solokünstler und Bandmusiker hat er Spuren hinterlassen und sich immer wieder neu erfunden. Gerade deshalb wirkt «Malibu» nicht wie ein spätes Nachreichen alter Rockträume, sondern wie ein bewusst gesetzter Moment eines Künstlers, der viel erlebt hat und daraus neue Kraft zieht.
«Malibu» ist ein Rocksong mit Herz, Sehnsucht und Zuversicht. Wo andere vielleicht wehmütig zurückblicken würden, lässt Shädy Wärme und Licht zu. Der Song klingt nach einem Ort, den man erst wirklich besingen kann, wenn man ihn nicht nur gesehen, sondern auch gefühlt hat. Mit «Malibu» zeigt Shädy, dass grosse Gefühle im Rock nicht peinlich sein müssen – solange sie ehrlich sind.
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