Sanaé – Enjoy The Show

KW 14 | 30. März - 5. April 2026
Foto: Sanaé (Pressefoto von Nils Sandmeier)

Mit «Enjoy the Show» legt die Schweizer Newcomerin Sanaë einen kraftvollen und überraschend selbstironischen Song vor. Schon die ersten Worte — «3, 2, 1 – Vorhang auf, die Vorstellung beginnt» — ziehen direkt hinein in ein Stück, das nicht etwa von einem Konzert oder vom Start ihrer Musikkarriere erzählt, sondern von einem Streit, von grossen Gefühlen und von der Bereitschaft, auch die weniger angenehmen Seiten an sich selbst offenzulegen. Während Popsongs oft davon handeln, wer einem das Herz gebrochen oder einen verletzt hat, wählt Sanaë einen anderen Blickwinkel: Sie zeigt sich schonungslos ehrlich und macht die eigene Widersprüchlichkeit zum Thema. Gerade darin liegt die besondere Stärke von «Enjoy the Show» — der Song ist direkt, emotional, humorvoll und gleichzeitig bemerkenswert selbstreflektiert.

Zeilen wie «My soul feels like a mess», «I’m a cold hearted wreck» oder «I love you more than you’d expect» verdeutlichen diese innere Spannung zwischen Chaos, Verletzlichkeit, Temperament und Liebe. Sanaë gelingt es, grosse Emotionen mit einem Augenzwinkern zu erzählen und Ernst und Humor, Krise und Lebenslust selbstverständlich miteinander zu verbinden. Das verleiht dem Song nicht nur Persönlichkeit, sondern auch eine besondere Glaubwürdigkeit.

Sanaë ist eine Schweizer Singer-Songwriterin, die so facettenreich ist wie das Leben selbst. Aufgewachsen in einem Dorf im Kanton Solothurn, wurde in ihrer Familie schon früh viel gemeinsam gesungen. Mit sieben Jahren begann sie Cello zu spielen, später kamen Klavier und Gitarre dazu. Als Teenager schrieb sie zuerst Gedichte, aus denen mit der Zeit Songs entstanden. Beruflich schlug sie zunächst einen anderen Weg ein, arbeitete als Medizinische Praxisassistentin und absolvierte zusätzlich in Zürich eine Ausbildung zum Stage Artist mit Schauspiel, Gesang und Tanz. Dass sie heute Musik macht, ist daher nicht bloss eine kreative Entscheidung, sondern das Ergebnis eines sehr persönlichen und existenziellen Wegs.

Denn Sanaë lebt seit ihrer Jugend mit gesundheitlichen Herausforderungen, die ihr Leben stark geprägt haben. Nach einer Hirnentzündung leidet sie an epileptischen Anfällen, hinzu kommt ME/CFS, also Myalgische Enzephalomyelitis beziehungsweise das Chronische Fatigue-Syndrom — eine Erkrankung, die das Nervensystem und den gesamten Körper beeinträchtigt. An manchen Tagen kann die 24-Jährige das Bett nicht verlassen, kaum gehen oder klar denken. Dennoch hat sie sich entschieden, ihre Erfahrungen nicht als Schwäche, sondern als Teil ihrer künstlerischen Wahrheit zu begreifen. Gerade deshalb steht Sanaë für Resilienz, Ausdruckskraft und die Entschlossenheit, selbst unter schwierigsten Bedingungen Musik zu machen.

Diese Tiefe prägt auch ihre bisherigen Songs. In «Dirty Soul» erzählt Sanaë von einer jungen Frau, die in Bars nach Liebe sucht und vor allem Sex findet. «Done With You» verbindet Trennungsschmerz mit offensiver Pop-Energie, während «White Walls» ihre epileptischen Anfälle thematisiert und «Craving» eine lebensbedrohliche Hirnoperation verarbeitet. Damit hat sich Sanaë bereits früh als Künstlerin profiliert, die persönliche Verletzlichkeit in eindringliche, moderne Popmusik übersetzen kann. Ihre Songs sind nahbar, mutig und getragen von starken Vocals, organischen Arrangements und einer Atmosphäre, die Schmerz und Lebenslust zugleich zulässt.

«Enjoy the Show» fügt sich nahtlos in dieses künstlerische Profil ein und setzt zugleich einen neuen Akzent. Der Song entstand nachts am Klavier und wurde anschliessend in Berlin gemeinsam mit dem schwedischen Produzenten Kim Wennerström umgesetzt, der bereits mit Künstlerinnen und Künstlern wie Zara Larsson, Leslie Clio und Madeline Juno gearbeitet hat. Das Ergebnis ist ein moderner Soul-Pop-Track mit dramatischem Zug, klarer Hook und einer Attitüde, die zugleich gross, verspielt und sehr menschlich wirkt.

Mit «Enjoy the Show» zeigt Sanaë eindrücklich, wie kraftvoll Popmusik sein kann, wenn sie sich nicht hinter glatten Fassaden versteckt. Der Song klingt nach Bühne, Drama und grosser Geste, bleibt dabei aber nahbar und echt. Es ist ein starker nächster Schritt einer jungen Künstlerin, die ihre Verletzlichkeit nicht kaschiert, sondern in Ausdruck verwandelt — mit Mut, Wucht und bemerkenswerter Eigenständigkeit.


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