Pascal Geiser – Egal wohär de Wend chonnt

KW 36 | 31. August - 6. September 2026
Foto: Pascal Geiser (Pressefoto)

Blues auf Schweizerdeutsch? Für Pascal Geiser ist das kein Widerspruch, sondern der Beginn eines neuen musikalischen Kapitels. Mit «Egal wohär de Wend chonnt» veröffentlicht der Solothurner Bluesmusiker am 28. August 2026 eine Single, die vieles von dem zusammenfasst, was ihn in den vergangenen Jahren beschäftigt hat: Aufbruch, Veränderung, das Loslassen von Dingen, die einen zurückhalten, und das Vertrauen darauf, dass man mit den richtigen Menschen an seiner Seite auch durch schwierigere Zeiten kommt. «Mer gönd witter, was üs zrugg hebt, gämmer uf» heisst es im Song – eine Zeile, die beinahe wie ein persönliches Lebensmotto wirkt. Musikalisch bleibt Geiser dabei seinen Wurzeln treu, erweitert den klassischen Blues aber deutlich um Rock- und Americana-Elemente. Der Sound wirkt gross, druckvoll und stellenweise beinahe stadiontauglich. Damit unterscheidet sich Geisers Mundart-Blues deutlich von jenem poetisch-verspielten Ansatz, den man in der Schweiz beispielsweise von Bluesmax kennt. Bei ihm darf es kräftiger, rockiger und breiter klingen, ohne dass die Geschichten und Gefühle dahinter an Bedeutung verlieren.

Produziert wurde «Egal wohär de Wend chonnt» von Reto Burrell, einem der profiliertesten Schweizer Musiker und Produzenten im Bereich Americana, Rock und Roots-Musik. Gemeinsam mit Shanky Wyser zeichnet Burrell auch für die Musik verantwortlich, während der Text von Pascal Geiser selbst stammt. Gerade Burrells Handschrift ist im Song deutlich zu hören: Gitarren, Rhythmus und Melodieführung verbinden Blues mit Americana und Rock, ohne dass daraus ein stilistischer Flickenteppich wird. Geiser und Burrell scheint dabei vor allem eines zu verbinden – wenig Interesse an engen Genregrenzen. Entscheidend ist vielmehr, welche musikalische Form eine Geschichte braucht. Genau darin liegt eine der Stärken von «Egal wohär de Wend chonnt»: Der Song klingt zwar nach Aufbruch und Vorwärtsbewegung, trägt aber gleichzeitig die Erfahrung eines Musikers in sich, der bereits viele verschiedene Stationen erlebt hat. Die Single ist der erste deutliche Vorgeschmack auf das kommende Album «D’Wäut cha cho», das am 15. Januar 2027 erscheinen soll und elf Titel umfasst. Auch die weiteren Songs wurden von Reto Burrell produziert.

Pascal Geiser wurde 1980 geboren und wuchs im solothurnischen Erlinsbach auf. Der Blues gehörte praktisch von Anfang an zu seinem Leben, denn sein Vater spielt seit Anfang der 1980er-Jahre Schlagzeug in einer regionalen Bluesband. Mit acht Jahren begann Pascal Geiser selbst Schlagzeug zu lernen und spielte später in verschiedenen Schülerformationen, zunächst vor allem Rock. Beruflich führte sein Weg zuerst in die Gastronomie: Er absolvierte eine Lehre als Koch und später als Kellner. Mit 23 Jahren begann er in der Band seines Vaters zu singen, lernte bei Jeff Siegrist Bluesharp und brachte sich das Gitarrenspiel selbst bei. Einige Jahre war er zudem als Schlagzeuger mit einer Partyband in der Schweiz und im nahen Ausland unterwegs, bevor ihn der Blues endgültig zurückholte. Sein eigenes Projekt startete er 2011 mit «First Time I Felt The Blues». Es folgten unter anderem «Sad Stranger» und «Blues On My Tail», letzterer wurde mit amerikanischen Studiomusikern in Nashville aufgenommen.

Den entscheidenden Schritt in der Schweizer Bluesszene machte Geiser Mitte der 2010er-Jahre. 2015 gewann er bei der Promo Blues Night des Blues Festival Basel, 2016 folgte der Sieg bei der Swiss Blues Challenge. Dadurch durfte er die Schweiz 2017 bei der International Blues Challenge in Memphis vertreten, wo er bis ins Viertelfinale kam. Im selben Jahr erreichte er bei der European Blues Challenge im dänischen Horsens den dritten Platz – ein bemerkenswerter Erfolg für einen Schweizer Act. In Memphis lernte Geiser zudem den amerikanischen Produzenten Eric Corne kennen, der unter anderem mit John Mayall und Walter Trout gearbeitet hatte. Corne produzierte später Geisers Debütalbum, das 2018 erschien und direkt auf Platz zwei der Schweizer Albumcharts einstieg. Für ein Schweizer Bluesdebüt war das ein aussergewöhnlicher Erfolg und endgültig der Beweis, dass Geisers Musik weit über die eigentliche Blues-Szene hinaus ein Publikum erreicht.

Mit «Egal wohär de Wend chonnt» verändert Geiser nun erstmals auch sprachlich eine wichtige Konstante seiner bisherigen Karriere. Anstelle englischer Texte erzählt er seine Geschichten auf Schweizerdeutsch – und das wirkt weniger wie ein Experiment als vielmehr wie ein logischer nächster Schritt. Gerade weil seine Songs immer stark von persönlichen Erfahrungen und glaubwürdigen Geschichten leben, schafft die Mundart zusätzliche Nähe. Das kommende Album «D’Wäut cha cho» führt diesen Ansatz konsequent weiter. Die bereits bekannte Trackliste mit Titeln wie «I Be Ufem Sprong», «Ohni De Met Graue Hoor», «Fahr Dis Töffli», «Herbschtbluus», «Mini Helde» oder «Hinderem Börnaut» lässt erkennen, dass Geiser diesmal sehr direkt aus dem Leben erzählen möchte. Rock, Blues und Americana bleiben das musikalische Fundament, doch die Sprache rückt die Geschichten noch näher an seine eigene Herkunft und sein Schweizer Publikum.

«Egal wohär de Wend chonnt» steht damit tatsächlich für Aufbruch. Nicht, weil Pascal Geiser seine bisherige musikalische Geschichte hinter sich lassen würde, sondern weil er sie weiterentwickelt. Nach Nashville, Memphis, internationalen Blues-Wettbewerben und erfolgreichen Alben führt der nächste Weg nun zurück zur eigenen Sprache. Der Titel erzählt davon, weiterzugehen, Ballast abzuwerfen und sich auf jene Menschen zu verlassen, die einen auf diesem Weg begleiten. Genau darin steckt wahrscheinlich auch die passende Haltung für diesen neuen Abschnitt seiner Karriere: Es spielt nicht immer die entscheidende Rolle, aus welcher Richtung der Wind kommt – wichtiger ist, dass man die Segel setzt und weiterfährt.


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