Nickless im Casineum: Zwischen Soundcheck, Heissluftballon und neuem Selbstverständnis
Vor seinem Showcase im Casineum Luzern sprach Nickless mit Andi Balsiger über den Wandel seit «Waiting», seine Familie, Perfektionismus und spektakuläre Auftritte.
Bild: Nickless (Pressebild 2026)
Am Mittwoch, 27. Mai 2026, war Nickless im Casineum Luzern zu Gast. Noch bevor der Zürcher Musiker am Abend von 18.30 bis 19.30 Uhr ein Showcase vor rund 300 Hörerinnen und Hörern von Radio Pilatus spielte, nahm er sich im Saal Zeit für ein ausführliches Gespräch mit Moderator und Musikredaktor Andi Balsiger. Zwischen dem Aufstellen der Instrumente und dem Soundcheck sprach Nickless offen über seine Entwicklung, sein neues Album «Cars And Things That Go», seine Familie und über jene Momente, die seine Karriere in den letzten Jahren besonders geprägt haben.
Nickless, der mit bürgerlichem Namen Nicola Kneringer heisst, wurde am 5. Oktober 1995 in Zürich geboren und wuchs in Uetikon am See auf. Schon als Kind begann er Schlagzeug zu spielen, später kamen Gitarre, Klavier, Gesang und Songwriting dazu. Der nationale Durchbruch gelang ihm 2015 mit «Waiting». Der Song machte ihn in der Schweiz schlagartig bekannt und wurde 2016 bei den Swiss Music Awards als «Best Hit National» ausgezeichnet. Heute, rund elf Jahre später, blickt Nickless auf diese Zeit mit einer anderen Ruhe zurück. Im Gespräch erklärte er, wie stark er sich seither verändert habe – musikalisch, persönlich und auch im Umgang mit Erwartungen.
Vom jungen Durchstarter zum gereiften Musiker
Im Interview wurde deutlich, dass Nickless heute nicht mehr derselbe Künstler ist wie zu Beginn seiner Laufbahn. «Waiting» war der grosse Startpunkt, doch seither ist viel passiert. Nickless sprach darüber, wie er gelernt hat, sich selbst und seine Musik anders wahrzunehmen. Der Druck, immer alles perfekt machen zu müssen, sei zwar noch da, aber nicht mehr gleich bestimmend wie früher. Er gab zu, ein Perfektionist zu sein, sagte aber auch, dass er heute bewusster loslassen könne. Genau diese Haltung hört man auch seinem neuen Album an: weniger Teenie-Pop, mehr Reife, mehr Tiefe und ein klareres Gefühl dafür, wer er als Künstler sein will.
Auch das Familienleben spielte im Gespräch eine wichtige Rolle. Nickless erzählte, wie es zu Hause ist, wenn man Musiker ist, ständig unterwegs, kreativ gefordert und zugleich im privaten Alltag verankert. Besonders charmant war seine Aussage, dass seine Frau seine grösste Kritikerin sei. Sie sage ihm ehrlich, was sie gut finde – und genauso direkt, was sie weniger überzeuge. Gerade diese Offenheit scheint für ihn wichtig zu sein. Sie hält ihn geerdet und gibt ihm einen ehrlichen Blick auf seine Musik, jenseits von Bühne, Applaus und Social Media.
Fernsehgarten, Heissluftballon und der Mut zum Spektakel
Neben den persönlichen Themen ging es auch um die spektakulären Stationen seiner jüngeren Karriere. Nickless erzählte, wie er den Auftritt im ZDF-Fernsehgarten erlebt hat und was es bedeutet, plötzlich vor einem grossen Fernsehpublikum zu stehen. Solche Momente zeigen, dass sein Weg längst über die Schweiz hinausführt. Sein Sound wirkt international, seine Auftritte sind professionell und sein Auftreten hat jene Mischung aus Lockerheit und Präzision, die man nicht erzwingen kann.
Ein besonderes Thema war natürlich auch sein musikalischer Auftritt auf einem Heissluftballon. Nickless erklärte, wie diese aussergewöhnliche Idee zustande kam und wie viel Planung hinter einem solchen Moment steckt. Was nach einem verrückten Social-Media-Stunt aussieht, ist in Wahrheit auch Ausdruck seines künstlerischen Selbstverständnisses: Nickless will Musik nicht nur veröffentlichen, sondern erlebbar machen. Er sucht Bilder, die hängen bleiben, ohne dass die Musik dahinter zur Nebensache wird.
Ein sympathischer Künstler mit klarem Blick nach vorne
Im Casineum zeigte sich Nickless als sympathischer, offener und reflektierter Gesprächspartner. Er sprach nicht wie jemand, der nur seine neue Musik bewerben will, sondern wie ein Künstler, der auf einen langen Weg zurückblickt und gleichzeitig spürbar Lust auf das hat, was noch kommt. Sein neues Album «Cars And Things That Go» steht dabei für Bewegung, Veränderung und Weiterentwicklung. Es ist ein Album eines Musikers, der den Durchbruch von damals nicht vergisst, aber längst weitergefahren ist.
Dass Nickless heute erwachsener klingt, bedeutet nicht, dass er an Energie verloren hat. Im Gegenteil: Er wirkt klarer, fokussierter und freier. Seine Songs tragen noch immer grosse Melodien, aber sie haben mehr Tiefe bekommen. Im Gespräch mit Andi Balsiger wurde genau das sichtbar: Nickless ist kein Künstler, der stehen bleibt. Er hat gelernt, sich zu hinterfragen, auf sein Umfeld zu hören, Perfektion nicht mehr über alles zu stellen und trotzdem ambitioniert zu bleiben.
Am Abend folgte dann das Showcase im Casineum Luzern. Vor rund 300 Gästen zeigte Nickless, warum er zu den spannendsten Schweizer Popkünstlern seiner Generation gehört. Doch bereits das Gespräch vor dem Konzert machte deutlich: Hinter den Songs, den viralen Momenten und den spektakulären Aktionen steht ein Musiker, der weiss, woher er kommt – und der sehr genau spürt, wohin er will.
Das ganze Interview mit Nickless und Andi Balsiger kann im Anschluss an diesen Beitrag als Podcast nachgehört werden.
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