Eine Stimme für die Ewigkeit: Dolly Parton ist tot

Die «Queen of Country» ist mit 80 Jahren gestorben. Spitalradio LuZ erinnert an eine einzigartige Sängerin, Songwriterin und Persönlichkeit, die weit über die Grenzen der Countrymusik hinaus Menschen berührte.
Bild: Dolly Parton (Bild 2010 Wikipeida)

Dolly Parton ist tot: Die Welt verliert ihre «Queen of Country»

Sie schrieb Musikgeschichte, überschritt spielerisch Genregrenzen und blieb trotz Weltruhm nahbar: Dolly Parton ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Spitalradio LuZ erinnert an eine Jahrhundertkünstlerin, deren Stimme, Lieder, Humor und Menschlichkeit weit über die Countrymusik hinausreichten.

Die Musikwelt hat eine ihrer unverwechselbarsten Stimmen verloren. Dolly Parton ist am Dienstag, 25. August 2026, im Alter von 80 Jahren in Nashville gestorben. Nach Angaben ihres Publizisten starb die Sängerin, Songwriterin, Schauspielerin und Unternehmerin friedlich. Eine genaue Todesursache wurde zunächst nicht bekannt gegeben. In den vergangenen Monaten hatte Parton allerdings öffentlich über gesundheitliche Probleme gesprochen und ihre geplanten Auftritte in Las Vegas abgesagt. Noch wenige Tage vor ihrem Tod hatte sie deutlich gemacht, dass sie trotz gesundheitlicher Schwierigkeiten weiterarbeiten wolle.

Mit Dolly Parton verliert die Musik nicht einfach einen grossen Namen des Country. Sie verliert eine Künstlerin, die während mehr als sechs Jahrzehnten bewies, dass sich musikalische Glaubwürdigkeit und kommerzieller Erfolg, Glamour und Bodenständigkeit, Witz und Ernsthaftigkeit nicht ausschliessen müssen.

Von ärmlichen Verhältnissen auf die grössten Bühnen der Welt

Dolly Rebecca Parton wurde am 19. Januar 1946 in Tennessee geboren und wuchs als eines von zwölf Kindern in sehr einfachen Verhältnissen in den Smoky Mountains auf. Musik war schon früh Teil ihres Lebens. Bereits als Kind schrieb sie eigene Lieder, mit elf Jahren war sie im lokalen Radio zu hören und mit 13 stand sie erstmals auf der Bühne der berühmten Grand Ole Opry. Nach dem Schulabschluss zog sie nach Nashville und kämpfte dort um ihre Chance.

Interessant ist dabei, dass die Frau, die später geradezu zum Synonym für Countrymusik werden sollte, zu Beginn ihrer professionellen Karriere keineswegs ausschliesslich auf Country festgelegt war. Monument Records versuchte Mitte der 1960er-Jahre zunächst, Dolly Parton als Popsängerin aufzubauen. Ihre frühen Aufnahmen wurden entsprechend für ein Pop-Publikum produziert. Erst danach rückte ihre musikalische Heimat Country immer stärker ins Zentrum. Und dennoch sollte Parton während ihrer ganzen Karriere immer wieder beweisen, wie wenig sie von musikalischen Schubladen hielt.

Genau diese Offenheit machte für Spitalradio LuZ-Musikchef Andi Balsiger einen wichtigen Teil ihrer Grösse aus: «Dolly Parton war natürlich eine Country-Ikone. Aber sie hatte nie Berührungsängste mit guter Popmusik. Das Spannende ist, dass bereits ihre frühe Plattenkarriere auch von Pop geprägt war. Später konnte sie mühelos zwischen Country, Pop, Rock, Gospel und Bluegrass wechseln, ohne jemals ihre eigene musikalische Identität zu verlieren.»

«Jolene», «9 to 5» – und ein Lied für die Ewigkeit

Es folgte eine Karriere, deren Zahlen allein schon aussergewöhnlich sind. Dolly Parton schrieb schätzungsweise rund 3000 Songs. 25 ihrer Titel erreichten Platz eins der Billboard-Country-Charts. Weltweit wurden mehr als 100 Millionen Tonträger mit ihrer Musik verkauft. Zu ihren unvergänglichen Klassikern gehören «Coat of Many Colors», «Jolene», «Here You Come Again», «9 to 5» und natürlich «I Will Always Love You».

Gerade «I Will Always Love You» erzählt viel über Parton. Sie schrieb das Lied 1973 als musikalischen Abschiedsbrief an ihren langjährigen Mentor und Duettpartner Porter Wagoner, nachdem sie beschlossen hatte, ihre eigene Karriere weiterzuverfolgen. Partons Aufnahme wurde selbst zum Welthit – und fast zwei Jahrzehnte später machte Whitney Houston den Song mit ihrer Interpretation für den Film «The Bodyguard» zu einem der bekanntesten Popsongs aller Zeiten. Die Urheberin blieb jedoch Dolly Parton.

Ihre Fähigkeit zum Crossover wurde spätestens 1977 mit «Here You Come Again» offensichtlich. Der Song brachte ihr ihren ersten Grammy und öffnete ihr endgültig die Türen zum internationalen Pop-Publikum. Später kamen «9 to 5», das legendäre Duett «Islands in the Stream» mit Kenny Rogers, Bluegrass-Projekte, Gospel und schliesslich sogar Rock hinzu. 2022 wurde sie in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen – eine Ehrung, bei der Parton zunächst selbst gezögert hatte, weil sie sich nicht als Rockkünstlerin betrachtete.

Die Recording Academy führt für Dolly Parton 10 reguläre Grammy-Siege bei 55 Nominationen. Hinzu kommt der Grammy Lifetime Achievement Award; wird dieser mitgerechnet, wird ihre Bilanz häufig mit 11 Grammy-Auszeichnungen angegeben.

Ein Superstar, der andere mit ins Rampenlicht nahm

Bemerkenswert war dabei nicht nur, wie lange Parton selbst erfolgreich blieb. Immer wieder suchte sie den Kontakt zu anderen Generationen von Musikerinnen und Musikern. Sie nahm Duette auf, stellte ihre Stimme für gemeinsame Projekte zur Verfügung und hatte keine Mühe damit, neben jüngeren Stars aufzutreten. Besonders eng war ihre musikalische Verbindung zu ihrem Patenkind Miley Cyrus. Songs von Parton wurden zudem von Künstlerinnen und Künstlern aus völlig unterschiedlichen Welten neu interpretiert – von The White Stripes bis Beyoncé.

Für Andi Balsiger war das ein weiterer Wesenszug, der Parton von vielen Weltstars unterschied: «Sie schien nie das Gefühl zu haben, sie müsse ihren Status verteidigen. Gerade gegenüber jüngeren Künstlerinnen und Künstlern hatte sie ein offenes Ohr und war immer wieder bereit, ihre unverwechselbare Stimme für gemeinsame Projekte einzusetzen. Sie hat anderen nicht das Licht genommen – sie hat es mit ihnen geteilt.»

Dazu kam eine Eigenschaft, die bei einer Künstlerin dieser Grössenordnung keineswegs selbstverständlich ist. «Für mich war Dolly Parton ein Superstar ohne Star-Allüren», sagt der Musikchef von Spitalradio LuZ. «Sie war weltberühmt, millionenfach erfolgreich und eine der bekanntesten Frauen der Unterhaltungsbranche. Trotzdem vermittelte sie über all die Jahrzehnte nie den Eindruck, sich für wichtiger zu halten als die Menschen um sie herum. Diese Mischung aus Professionalität, Herzlichkeit und Bescheidenheit hat wesentlich zu ihrer aussergewöhnlichen Ausstrahlung beigetragen.»

Sie machte sich lieber über sich selbst lustig

Zu Dolly Partons Markenzeichen gehörten blonde Perücken, Strass, eng geschnittene Kostüme, hohe Absätze und viel Make-up. Doch kaum jemand konnte über dieses sorgfältig inszenierte Erscheinungsbild besser lachen als sie selbst. Ihr berühmter Satz «It costs a lot of money to look this cheap» – sinngemäss «Es kostet eine Menge Geld, so billig auszusehen» – ist tatsächlich authentisch. Parton verwendete den Spruch über Jahrzehnte selbst und bestätigte ihn unter anderem in einem Interview mit «Vogue».

Hinter der Selbstironie steckte allerdings viel Selbstbewusstsein. Parton wusste sehr genau, dass «Dolly» auch eine von ihr erschaffene Bühnenfigur war. Ihr Äusseres nahm sie ernst genug, um es akribisch zu pflegen – sich selbst nahm sie dagegen nie so ernst, dass sie nicht darüber lachen konnte.

«Diese Selbstironie war grossartig», sagt Andi Balsiger. «Dolly Parton wusste ganz genau, wie sie auf Menschen wirkte, und kam möglichen Kritikern oft zuvor, indem sie selber den besten Witz darüber machte. Der Satz, dass es viel Geld koste, so billig auszusehen, ist typisch Dolly: schlagfertig, selbstbewusst und unglaublich sympathisch. Hinter all dem Glitzer steckte eine hochintelligente Frau, die ihr Image besser verstand als wahrscheinlich jeder andere.»

Viel mehr als eine Entertainerin

Auch ausserhalb der Musik hinterlässt Dolly Parton ein enormes Vermächtnis. Sie spielte erfolgreich in Filmen wie «9 to 5», «The Best Little Whorehouse in Texas» und «Steel Magnolias». Für «9 to 5» und später «Travelin’ Thru» erhielt sie Oscar-Nominationen als Songwriterin. Sie wurde Unternehmerin und machte mit Dollywood in Tennessee aus ihrer Heimatverbundenheit ein millionenschweres Unternehmen.

Doch einen erheblichen Teil ihres Erfolgs gab Parton zurück. 1995 gründete sie ihre Imagination Library, die Kindern kostenlos Bücher zur Verfügung stellt und sich längst weit über die USA hinaus verbreitet hat. Während der Corona-Pandemie spendete sie eine Million Dollar für die Forschung an der Vanderbilt University und unterstützte damit Arbeiten, die zur Entwicklung des Moderna-Impfstoffs beitrugen.

Dass sie trotz ihres Vermögens und ihrer gesellschaftlichen Stellung nie vergessen hatte, woher sie kam, zeigte sich immer wieder. Als 2021 vorgeschlagen wurde, in Nashville eine Statue für sie zu errichten, winkte sie ab. Angesichts der damaligen Probleme in der Welt sei es nicht angemessen, sie «auf einen Sockel zu stellen», erklärte Parton.

Die Welt verabschiedet sich von Dolly

Die ersten Reaktionen nach Bekanntwerden ihres Todes zeigen, welchen Stellenwert Dolly Parton weit über die Country-Szene hinaus hatte. Country-Star Kacey Musgraves schrieb: «The world feels a lot less sparkly all of a sudden.» – die Welt fühle sich plötzlich deutlich weniger glitzernd an. Schauspielerin Patricia Heaton brachte ihre Trauer mit «What a gift. What a loss.» auf den Punkt.

Auch die Country Music Association würdigte Parton. CMA-Chefin Sarah Trahern erklärte, es gebe nur wenige Künstler, die Countrymusik stärker verkörperten als Dolly, und fügte hinzu: «There will only ever be one Dolly.»

Kyle Young, CEO der Country Music Hall of Fame and Museum, formulierte es vielleicht am treffendsten: «Dolly Parton’s legacy is not celebrity, but humanity.» Ihr Vermächtnis sei nicht Berühmtheit, sondern Menschlichkeit.

Auch US-Präsident Donald Trump reagierte noch am Dienstag auf ihren Tod und bezeichnete Parton als eine der grössten Countrysängerinnen überhaupt – und weit darüber hinaus. Er ordnete an, die US-Flaggen landesweit während einer Woche auf halbmast zu setzen.

Nach dem Tod ihres Lebensmenschen

Das letzte Lebensjahr Dolly Partons war von einem schweren persönlichen Verlust geprägt. Im März 2025 war ihr Ehemann Carl Dean im Alter von 82 Jahren gestorben. Die beiden hatten 1966 geheiratet und waren fast sechs Jahrzehnte ein Paar. Dean hielt sich beinahe vollständig aus der Öffentlichkeit heraus, obwohl seine Frau zu den bekanntesten Menschen der Welt gehörte.

Parton sprach danach offen über ihre Trauer. Noch 2025 sagte sie der Associated Press, ihr Glaube helfe ihr und sie glaube fest daran, Carl eines Tages wiederzusehen.

Was bleibt, sind die Lieder

Bei all den Auszeichnungen, Verkaufszahlen und Superlativen sah Dolly Parton selbst ihr wichtigstes Vermächtnis erstaunlich nüchtern. Sie wollte in erster Linie als gute Songwriterin in Erinnerung bleiben. «The songs are my legacy» – die Lieder seien ihr Vermächtnis –, schrieb sie über ihre Arbeit.

Und vielleicht liegt gerade darin die Erklärung für die aussergewöhnliche Langlebigkeit ihrer Karriere. Hinter Perücken, Strasssteinen und grossen Shows standen immer die Geschichten: von Liebe und Verlust, Sehnsucht, Armut, Stolz, Arbeit und Hoffnung. Dolly Parton konnte über das Leben einfacher Menschen schreiben, weil sie dieses Leben selbst kannte.

«Es gibt Sängerinnen mit grossartigen Stimmen und es gibt Stars mit riesigen Karrieren. Dolly Parton war mehr», sagt Andi Balsiger. «Sie war eine Geschichtenerzählerin, eine aussergewöhnliche Songwriterin und eine Persönlichkeit, die Generationen miteinander verbunden hat. Man konnte Country mögen oder nicht – Dolly musste man irgendwie mögen. Und genau deshalb hinterlässt sie eine Lücke, die sich nicht einfach mit der nächsten grossen Stimme füllen lässt.»

Spitalradio LuZ ändert sein Programm

Spitalradio LuZ würdigt das aussergewöhnliche musikalische Lebenswerk von Dolly Parton auch im Programm. Am Mittwochabend, 26. August 2026, ändern wir unser Programm und erinnern von 20.00 bis 21.00 Uhr an die verstorbene Sängerin.

Während einer Stunde stehen die grössten Hits und bedeutendsten Aufnahmen aus mehreren Jahrzehnten ihrer Karriere im Mittelpunkt – von den frühen Country-Klassikern über «Jolene», «I Will Always Love You» und «9 to 5» bis zu ihren grossen Duetten, Pop-Crossovern und späteren musikalischen Projekten.

Es ist eine Stunde für eine Stimme, die man nach wenigen Sekunden erkennt. Für eine Frau, die aus ärmlichen Verhältnissen zu einem Weltstar wurde und trotzdem nie vergass, woher sie kam. Und für eine Künstlerin, von der nach mehr als sechs Jahrzehnten im Rampenlicht vor allem eines bleibt: unendlich viel Musik.


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