Ein Leben für die Musik – Abschied von Michel Richter

Wenn Musik Erinnerung wird: Zum Tod von Michel Richter
Bild: Michel Richter an der LUGA 2023 am Stand von Spitalradio LuZ

Mit grosser Trauer nehmen wir Abschied von Michel Richter, der in der Nacht vom 1. auf den 2. Januar im Alter von 73 Jahren bei einem Wohnungsbrand in Horw verstorben ist. Gemäss den Ermittlungen der Luzerner Polizei wurde der Brand durch eine Kerze am Christbaum im Wohnzimmer seiner Wohnung ausgelöst, die einen Vollbrand verursachte. Trotz sofortiger Hilfe verstarb er noch vor Ort.

Michel Richter war für Spitalradio LuZ weit mehr als ein Gast: Er war ein leidenschaftlicher Musikvermittler, ein wandelndes Musiklexikon – und ein Mensch, der mit seiner Wärme und seinem Humor bleibende Spuren hinterlassen hat. Mehrfach war er bei uns zu hören, einmal gestaltete er sogar eine eigene Sendung. Unvergessen bleibt der Abend vom 18. Oktober 2022, als er gemeinsam mit unserem Musikchef Andi Balsiger die meistgewünschten Hits der 80er- und 90er-Jahre präsentierte – kenntnisreich, charmant und ganz nah bei den Hörerinnen und Hörern.

«Michel hatte diese seltene Gabe, Musik nicht nur zu spielen, sondern sie zu erzählen. Jede Platte trug eine Geschichte – und er kannte sie alle,» erinnert sich Andi Balsiger.

Ein Leben für den Sound der Erinnerung

Geboren in Norddeutschland, in der Schweiz aufgewachsen und in Horw zuhause, prägte Michel Richter die Schweizer DJ-Szene über mehr als fünf Jahrzehnte. Er galt als dienstältester professioneller DJ der Schweiz und blieb seiner Linie stets treu: Musik ab Original-Vinyl. Laptop-Sets kamen für ihn nicht in Frage. Sein Archiv umfasste über 50’000 Tonträger – davon rund 30’000 Vinyl-Singles – sorgsam ausgewählt und für jeden Einsatz individuell zusammengestellt.

Zwischen 80 und 100 Auftritte pro Jahr waren für ihn keine Seltenheit. Legendär wurden seine Oldie-Abende im Hotel Montana (sonntags von Oktober bis April, über 20 Jahre lang), seine Einsätze in Bars, an privaten Anlässen und in Altersheimen. Dort erfüllte er Wünsche, kommentierte Klassiker, erklärte Coverversionen – und schuf Atmosphäre.

«Er wusste genau, was die Menschen hören wollten – und wenn keine Wünsche kamen, kannte er sie trotzdem,» sagt Andi Balsiger. «Diese Nähe zum Publikum war einzigartig.»

Musik als Brücke

Michels Herz schlug besonders für die Wurzeln des Rock’n’Roll und für Künstler wie die Beatles, Leonard Cohen oder Johnny Cash. Zugleich behielt er den Überblick über die Hits späterer Jahrzehnte – von den 80ern bis in die 2000er. Über 4’500 Auftritte zählte er selbst. Die Magie der Musik verliess ihn nie.

In der Silvesternacht stand er noch im Stadtkeller Luzern hinter den Turntables – begleitet von einem Kamerateam. Wenige Stunden später verstummte die Nadel für immer. Dass ausgerechnet sein Zuhause mit seinem grossen musikalischen Schatz zu seinem letzten Ort wurde, ist zutiefst traurig. Und doch tröstet der Gedanke, dass er dort war, wo er sich am wohlsten fühlte: bei seiner Musik.

«Michel lebte Musik – und er teilte sie grosszügig. Für uns bleibt er Vorbild und Freund,» so Andi Balsiger.

Unser Abschied

Wir von Spitalradio LuZ trauern um einen aussergewöhnlichen Menschen, der Generationen mit Musik verbunden hat. Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl gelten seiner Familie, seinen Angehörigen und allen, die ihm nahe standen. Wir wünschen ihnen Kraft, Trost und viele leuchtende Erinnerungen an einen Mann, dessen Leidenschaft weiterklingt.

Michel Richter wird fehlen. Seine Geschichten, seine Platten – und dieses besondere Lächeln, wenn ein Wunsch genau ins Herz traf.



2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • DJ Alexander Näpflin
    13. Januar 2026 23:53

    Noch immer fehlen mir die Worte. Oder wie es Michel und ich bei unseren Gesprächen gehandhabt hatten, wir zitierten Textpassagen oder Songtitel: Words…Don’t Come Easy (F.R. David). Michel hinterlässt eine grosse Lücke in meinem DJ-Dasein. So wie er, spiele ich die Musik in erster Linie von Schallplatten. Zusammen haben wir an der Ü40 Dance Party in Horw aufgelegt. Er war der Mann für die Wünsche, ich der Mann für die Tanzparty. Ich sagte immer: „I make people dance, you Michel, make ‚em happy“. Und doch verstanden wir uns. Er lobte bei unserem letzten Treffen am 19. Dezember 2025 mein Musikwissen mit den Worten: „Du weisch au no chaibä vill!“ – Ein Ritterschlag vom grossen Meister. Wir sprachen so viel an diesem Abend, dass ich nicht mehr weiss, zu welchem Thema das war. Wahrscheinlich hatte es mit unserer Idee, eine Schlager-Oldies-Party in Horw in der Kulturmühle gemeinsam zu machen zu tun; die Organisatoren hatten uns schon mal ihre Interesse bekundet. Natürlich war an diesem Tag auch das Erlebte im 2025 unser Gesprächsthema, denn zusammen waren wir, nachdem ich ihn etwas dazu gedrängt hatte, in Liverpool auf den Spuren der Beatles gepilgert. Er hatte ein Beatles-Sofa in einem „Beatles-Zimmer“ das sein ganzer Stolz war. Immer wieder sprach ich ihn darauf an, dass er, als ein so grosser Musikkenner und Fan der Sixties diese Reise, doch endlich mal machen sollte. Weil ich bereits im Besitz eines Tickets für ein Konzert der BayCityRollers war, die nur eine knappe Stunde von Liverpool entfernt ende Januar ein Konzert gaben, musste er fast ja sagen. So kam er dann ein paar Tage nach erwähntem Konzert in Liverpool an und ich nahm ihn beim Hotel in Empfang. 5 Tage folgten wir den Spuren der Fab Four und hatten „The Best Day Of Our Lives“. Weil Michel wieder Engagements hatte, reiste er ohne mich zurück und ich machte noch einen Stop in London für die Abba Voyage Show. Das war eine andere Liebe von ihm. Im Jahr zuvor hatte er in der Bar 59 ein Special zum 50 Jährigen ESC-Jubiläum von Abba (Waterloo) gespielt. Auch dort konnte er aus seinem Fundus bisher selten gehörte Versionen von Abba-Songs auflegen. Gerne wäre ich mit ihm dieses Jahr noch einmal nach London geflogen für einen Besuch dieser Show, denn ohne Smartphone kann man kein Ticket für diesen Anlass kaufen. Und Michel war auch dort „Analog“ unterwegs. Kein Handy. Kein Smartphone. Dafür habe ich ihn ebenfalls bewundert.
    Als ich die Nachricht von seinem unerwarteten und tragischen Tod erhielt, brauchte ich ein paar Tage um zu begreifen, was er mir bedeutete. Ich kannte Michel als DJ, Musikguru, wandelndes Musik- und Filmlexikon und als Freund. Die letzten Monate und Wochen im 2025 waren für Michel anstrengend gewesen. Er schrieb mir oft in seinen E-Mails dass er nach den Auftritten, erst so gegen 4 oder 5 Uhr in der Früh wieder zu Hause war und nach wenigen Stunden wieder erwachte und versuchte dann wach zu bleiben oder zu Frühstücken. Am Nachmittag nickte er ab und zu wieder ein, besonders wenn er auf dem Sofa TV schaute. Er redete zwar von Powernap, doch diese hinterliessen Spuren. Im Beitrag vom Tele 1 über seinen (letzten) Silvesterauftritt im Luzerner Stadtkeller konnte ich die Ermüdung der letzten Wochen sehen. Weihnachten war für ihn eine besondere Zeit. Er liebte es den Baum zu schmücken und hatte (was denn sonst) eine grosse Sammlung mit Weihnachtsmusik auf CDs und Schallplatten. In seiner letzten E-Mail schrieb er mir, dass er sich endlich diese seltene Original-Single von Bing Crosby von White Christmas bestellen konnte und er nun seine Weihnachtssammlung komplett hätte (auf der B-Seite ist Meli Kalimaka, ein Song der durch den Chevy Chase Film „Hilfe, es weihnachtet sehr“ wieder zu Ruhm kam).
    Ich verneige mich vor dir Michel und weiss, dass du mit dem Gedanken gehen konntest, „jetzt ist meine Sammlung komplett“. Ich danke dir für deine ausserordentliche Freundschaft. Du hast mir in den schweren Zeiten nach dem Tod meiner Frau wieder Hoffnung gegeben. Besonders dann, wenn ich keine Lust mehr hatte schon wieder „YMCA“ von den Village People auflegen zu müssen. Dann hast du mich unterstützt und mir einen Weg aufgezeigt, dass es doch geht.
    Ich hoffe, dass ich dich auf deinem letzten Weg begleiten darf, wann immer es dann sein wird. Und wenn ich Hotel California von den Eagles spiele, den Titel, den du als den „Most Wanted Track“ in deinem Notizbuch an erster Stelle mit „ichweissnichtmehrmitwievielenwünschen“ aufgeschrieben hattest, dann weiss ich; You Can Check Out Anytime, But You Can Never Leave. Du bist zwar nicht mehr da, wo du gewesen bist, aber du bis überall, wo wir sind. Thank You For The Music, Michel. Adios, we’ll met again.
    DJ Alexander

    Antworten
    • Lieber DJ Alexander, herzlichen Dank, dass Du uns deine Begegnungen mit Michel in deinem Kommentar geteilt hast. Dank deinem Text ist mir Michel für ein paar Augenblicke wieder ganz nah gewesen. Deine Worte sind so bewegend und voller Herz, dass sie für sich sprechen. Es ist spürbar, wie tief die Verbindung zu Michel war und wie sehr er dein Leben bereichert hat – als Freund, Kollege und Inspirationsquelle. Deine Erinnerungen an ihn sind ein wunderschönes Zeugnis seiner Leidenschaft für die Musik und seiner besonderen Art, Menschen zu berühren und glücklich zu machen. Es ist traurig, dass er leider nicht mehr unter uns ist. Ich vermisse ihn auch und er wird definitiv fehlen. Liebe Grüsse Andi Balsiger, Musikredaktor Spitalradio LuZ

      Antworten

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