Vom Kindheitstraum zum eigenen «Läbeswäg»
Der Berner Mundart-Singer-Songwriter Daenu stellte bei «Made in Switzerland» sein Debütalbum vor und erzählte, weshalb sein grosser Kindheitstraum erst kurz vor der Pensionierung Wirklichkeit wurde.
Manche Träume erfüllen sich nicht sofort. Einige brauchen Zeit, Lebenserfahrung und vielleicht auch ein paar Umwege. Der Mundart-Singer-Songwriter Daenu ist dafür das beste Beispiel. Am Montagabend, 22. Juni 2026 war er zwischen 19 und 20 Uhr zu Gast in der Sendung «Made in Switzerland» auf Spitalradio LuZ. Live im Studio stellte er sich den Fragen von Moderator und Musikchef Andi Balsiger und präsentierte sein neues Album «Läbeswäg», das am 29. Mai 2026 erschienen ist.
Dabei wurde schnell deutlich: Dieser Albumtitel ist weit mehr als nur ein passender Name für eine Sammlung neuer Lieder. «Läbeswäg» erzählt auch die Geschichte eines Mannes, dessen beruflicher Alltag während vieler Jahre nur wenig Platz für eine eigene Musikkarriere liess – der seinen Traum jedoch nie vollständig aus den Augen verlor.
Rumpelstilz unter der Bettdecke
Seine Begeisterung für Musik entdeckte Daenu bereits als Kind. Besonders prägend war für ihn die Schweizer Band Rumpelstilz mit ihrem 1975 veröffentlichten Lied «Muschle». Im Gespräch erzählte er, wie er den Song als etwa zehnjähriger Junge heimlich unter der Bettdecke in der Hitparade hörte.
In diesem Moment sei ihm klar geworden, dass er selbst Musiker werden wollte. Die Klänge, die Mundart und die besondere Art des Geschichtenerzählens hinterliessen einen bleibenden Eindruck. Als Enkel eines Vorjodlers brachte Daenu zudem bereits musikalische Wurzeln aus der eigenen Familie mit.
Dass aus dem Kindheitstraum später tatsächlich ein eigenes Mundartalbum entstehen würde, war damals allerdings noch nicht absehbar. Zwar stand Daenu einige Jahre später erstmals in einem Bandproberaum vor dem Mikrofon, doch sein beruflicher Lebensweg führte ihn zunächst in eine andere Richtung.
Ein erfolgreicher Beruf – und die Musik im Herzen
Während vieler Jahre war Daenu als Generalagent der Mobiliar in Aarau tätig. Inzwischen hat sein Sohn die Agentur als Nachfolger übernommen. Daenu hilft zwar weiterhin gelegentlich aus, kann seine Zeit heute aber wesentlich freier einteilen und sich verstärkt seiner grossen Leidenschaft widmen: der Musik.
Im Interview erklärte er, weshalb sein Traum von einer eigenen Karriere als Musiker erst kurz vor der Pensionierung richtig Gestalt annahm. Familie, Verantwortung und der berufliche Alltag hätten lange im Vordergrund gestanden. Die Musik sei jedoch stets ein Teil seines Lebens geblieben.
Heute kann er auf zahlreiche Erfahrungen als Sänger und Songwriter in unterschiedlichen Projekten zurückblicken. Er stand auf nationalen Bühnen, bewegte sich durch verschiedene musikalische Stilrichtungen und entwickelte dabei zunehmend seine eigene Handschrift. Mit «Läbeswäg» veröffentlicht er nun erstmals ein vollständiges Mundartalbum unter seinem eigenen Namen.
Zwischen Bern, Jura und Aargau
Daenu wuchs in Bern auf und wurde familiär von zwei unterschiedlichen Regionen und Sprachen geprägt. Seine Mutter stammt aus dem Jura, sein Vater aus Thun. Dadurch wuchs er zweisprachig auf – eine kulturelle Vielfalt, die ihn bis heute begleitet und auch seinen Zugang zur Musik mitgeprägt hat.
Seit vielen Jahren lebt der gebürtige Berner im Aargau. Er ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern. Seine Herkunft, seine Familie und die vielen Erfahrungen aus seinem bisherigen Leben bilden den Stoff, aus dem seine Lieder entstehen.
Seine Texte tragen häufig Tagebuchcharakter. Sie erzählen von tatsächlichen Erlebnissen, persönlichen Beobachtungen, glücklichen Momenten, Schwierigkeiten und Veränderungen. Musikalisch wurde Daenu unter anderem von Schweizer Künstlerinnen und Künstlern wie Polo Hofer, Florian Ast, Ritschi und Sandee beeinflusst. Dennoch versucht er nicht, seine Vorbilder zu kopieren. Vielmehr verbindet er deren erzählerische Tradition mit seiner eigenen Lebensgeschichte.
Ein Album voller echter Geschichten
Produziert wurde «Läbeswäg» von Alain Boog, der in der Schweizer Musikszene als Sänger, Pianist und Produzent bekannt ist. Er arbeitete unter anderem mit VolXRoX, war Kandidat bei «The Voice of Switzerland» und gehört seit 2021 zur Formation Heimweh.
Gemeinsam entstand ein akustisch geprägtes, bodenständiges und persönliches Album. Die Lieder handeln von Aufbrüchen und Rückschlägen, von Liebe, Erinnerungen, Veränderungen und jenen Turbulenzen, die wohl zu jedem Leben gehören. Passend dazu war «Turbulänze» der erste musikalische Vorbote des Albums.
Daenu setzt dabei nicht auf künstliche Effekte oder eine sorgfältig konstruierte Musikerfigur. Er erzählt Geschichten aus seinem eigenen Leben – direkt, ehrlich und nahbar. Gerade seine langjährige Lebens- und Berufserfahrung verleiht den Songs eine Tiefe, die sich nicht planen oder beschleunigen lässt.
Warum Daenu ein glücklicher Mensch ist
Auch über sein persönliches Glück sprach Daenu im Studio. Er bezeichnet sich selbst als einen ziemlich glücklichen Menschen. Dazu tragen seine Familie, sein erfüllter beruflicher Weg und die Möglichkeit bei, sich heute intensiver der Musik widmen zu können.
Vielleicht liegt sein Glück aber auch darin, dass er seinem Kindheitstraum trotz aller Umwege treu geblieben ist. Der Junge, der einst Rumpelstilz unter der Bettdecke hörte, steht heute selbst hinter dem Mikrofon und singt seine eigenen Mundartgeschichten.
Das Gespräch bei «Made in Switzerland» zeigte eindrücklich, dass es für einen musikalischen Neubeginn nie zu spät ist. Manchmal braucht ein Traum einfach seinen eigenen «Läbeswäg».





2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort
Lieber Andi
Das war eine Explosion an Gefühlen. Du hast das so was von so was genial präsentiert und dargelegt. Unfassbar. Du hast das Letzte aus mir rausgeholt und Deine ‘fordernde’ geniale ‘radioart’ hat es gebracht. In echt geflasht!!
Danke Andi
Lieber Daenu
Danke für deine schöne Rückmeldung. Das freut mich und Spitalradio LuZ sehr.
Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg mit deiner Musik.
Liebe Grüsse Andi, Musikredaktion