Chris De Sarandy – Good Old Days

KW 22 | 25. Mai - 31. Mai 2026
Foto: Chris de Sarandy (Copyright 2025 by Sven Mandel)

Mit «Good Old Days» greift Chris de Sarandy ein Gefühl auf, das viele erst im Rückblick erkennen: die Ahnung, dass man vielleicht gerade jetzt jene Erinnerungen erlebt, die später einmal verklärt als «die guten alten Zeiten» gelten. Der Song ist eine warme, nach Sommer klingende Popnummer über endlose Nächte, besondere Begegnungen und den Zauber von Momenten, die sich erst mit etwas Abstand in ihrer ganzen Bedeutung zeigen. Zwischen modernem Pop und Indie-Einflüssen entsteht ein Sound, der Leichtigkeit, Nostalgie und Aufbruch miteinander verbindet.

Chris de Sarandy wurde 1998 im Royal Borough of Kingston upon Thames im Südwesten Londons geboren. Schon mit 14 Jahren machte er Musik in einer Indie-Rockband, bevor er sich stärker dem Pop zuwandte. Später besuchte er die renommierte BRIT School, die auch mit Namen wie Adele, Amy Winehouse oder Jessie J verbunden ist. Nach seinem Abschluss zog de Sarandy nach Berlin, wo er zunächst in einer Design-Agentur arbeitete und schliesslich vom Label Embassy of Music entdeckt wurde. 2022 veröffentlichte er seine Debütsingle «Good Girl, Sad Boy», 2023 folgte die EP «Know Your Worth».

«Good Old Days» markiert nun den Beginn eines neuen Kapitels. Der Song klingt sonniger, offener und unbeschwerter als manche früheren Veröffentlichungen, ohne dabei an emotionaler Tiefe zu verlieren. Die zentrale Frage lautet: Was, wenn die Zukunft gerade deshalb so hell wirkt, weil man aufgehört hat, nur der Vergangenheit nachzutrauern? Zeilen wie «now the future’s looking awfully bright» bringen diese Haltung auf den Punkt. Der Blick geht zurück und nach vorne zugleich – nostalgisch, aber nicht wehmütig; optimistisch, aber nicht oberflächlich.

Musikalisch setzt Chris de Sarandy auf zeitlosen Pop mit Indie-Färbung. «Good Old Days» wirkt wie ein Song für Strassen im Abendlicht, Reisen mit offenen Fenstern und Augenblicke, die man festhalten möchte, obwohl sie gerade erst entstehen. Die Produktion bleibt eingängig und modern, lässt aber genug Raum für seine Stimme, die rau, soulgefärbt und sofort wiedererkennbar ist. Gerade diese Stimme wurde in den vergangenen Jahren zu seinem stärksten Markenzeichen.

Einem breiteren Publikum wurde Chris de Sarandy vor allem durch «Cynical» bekannt, seine Zusammenarbeit mit twocolors und Safri Duo. Der Song griff den markanten Rhythmus von Safri Duos «Played-A-Live (The Bongo Song)» auf und verband ihn mit de Sarandys Stimme zu einem erfolgreichen Dance-Pop-Track. In Deutschland erreichte «Cynical» Platz 15 der Singlecharts; zugleich wurde der Song zu einem wichtigen internationalen Karriereschritt für den britischen Singer-Songwriter.

Doch de Sarandy ist nicht nur die Stimme eines Dance-Hits. Als Solokünstler baut er seit 2022 konsequent an einer eigenen musikalischen Handschrift. Seine Songs bewegen sich zwischen Pop, Indie, Melancholie und grossem Refraingefühl. Dabei verbindet er persönliche Geschichten mit einem Sound, der zugänglich bleibt, aber nicht beliebig klingt. Auch seine Präsenz auf Social Media hat zu seiner wachsenden Bekanntheit beigetragen: Spontane Public-Singing-Clips auf TikTok und Instagram verschafften ihm zusätzliche Aufmerksamkeit und machten seine Stimme auch ausserhalb klassischer Veröffentlichungen sichtbar.

«Good Old Days» führt diese Entwicklung weiter. Der Song erzählt nicht von einer Vergangenheit, die verloren ist, sondern von der Gegenwart als Erinnerung von morgen. Genau darin liegt seine Stärke. Chris de Sarandy romantisiert nicht einfach alte Zeiten, sondern richtet den Blick auf das, was gerade geschieht: Begegnungen, Nächte, Reisen, Freundschaften, ein Gefühl von Freiheit und die Möglichkeit, dass aus kleinen Momenten später grosse Erinnerungen werden.

Damit gelingt ihm ein Song, der zugleich persönlich und universell wirkt. «Good Old Days» ist sonniger Indie-Pop mit emotionalem Kern, ein Stück über das Festhalten und Weitergehen, über Nostalgie und Zukunftslust. Chris de Sarandy präsentiert sich damit als Künstler, der nach seinem Erfolg mit «Cynical» nicht im Feature-Moment stehen bleibt, sondern seine eigene Erzählung weiterschreibt – mit einer Stimme, die Wärme trägt, und einem Song, der den Sommer nicht nur begleitet, sondern in Erinnerung verwandeln will.


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