Andry Liga – So isch es guet

KW 37 | 7. September - 13. September 2026
Foto: Andry Liga (mx3.ch)

Andry Liga gehört zu jenen Schweizer Mundartmusikern, die ihre Geschichten nicht künstlich aufblasen müssen, um Wirkung zu erzielen. Der Zürcher beobachtet lieber genau, hört hin und macht aus scheinbar nebensächlichen Momenten kleine musikalische Geschichten. Seine Texte drehen sich um Begegnungen, Beziehungen, Eigenheiten und jene alltäglichen Situationen, über die man sich im ersten Moment vielleicht ärgert und später schmunzeln muss. Dabei ist seine Sprache direkt und pointiert, ohne belehrend zu wirken. Liga schaut auf das Leben mit einer Mischung aus Lebenserfahrung, Humor und Selbstironie. Gerade darin liegt ein grosser Teil seines Charmes: Er nimmt seine Mitmenschen genau unter die Lupe, schliesst sich selbst von der Beobachtung aber nie aus. Musikalisch bewegt er sich im Umfeld von Mundart-Pop und Pop-Rock, wobei seine Songs vor allem von den Geschichten und der verständlichen, nahbaren Sprache leben. Auf der Schweizer Musikplattform Mx3 wird Andry Liga der Zürcher Popszene zugeordnet.

Mit «Sunä & Wulchä» bündelt Andry Liga nun neun solcher Beobachtungen auf einem Album. Schon der Titel beschreibt treffend, worum es ihm geht: Im Leben gibt es sonnige Tage und Zeiten, in denen sich die Wolken zusammenschieben – und meistens liegt beides näher beieinander, als man denkt. Liga sucht deshalb nicht ausschliesslich nach den grossen Dramen oder dem perfekten Glück, sondern konzentriert sich auf die vielen Zwischentöne. Seine Lieder wirken wie Notizen aus einem persönlichen Tagebuch, das allerdings jederzeit auch das Tagebuch des Nachbarn, eines Freundes oder eines zufälligen Passanten sein könnte. Genau diese Nähe zum echten Leben macht seine Texte zugänglich. Es geht um menschliche Schwächen, kleine Missverständnisse, unerwartete Wendungen und um die Erkenntnis, dass selbst scheinbar belanglose Erlebnisse manchmal mehr über uns erzählen als die grossen Ereignisse.

Dass Andry Liga dabei durchaus auch die gefühlvolle Seite beherrscht, zeigte er bereits mit seiner Single «Penny», die am 20. März 2026 erschien. Der Song erzählt von einem Mann, der nach rund 30 Jahren Ehe feststellt, dass er sich noch einmal neu verliebt hat – ausgerechnet in dieselbe Frau, die seit Jahrzehnten an seiner Seite steht. Ursprünglich wollte Liga nach eigenen Angaben gar keinen klassischen Liebessong veröffentlichen. Doch aus einer persönlichen Beobachtung entstand schliesslich eine Geschichte über langjährige Verbundenheit, zweite Chancen und darüber, dass Vertrautheit keineswegs bedeuten muss, dass Gefühle irgendwann selbstverständlich werden. «Penny» war damit ein bemerkenswerter Einstieg in seine Veröffentlichungen des Jahres 2026 und zeigte bereits viele jener Eigenschaften, die auch seine übrigen Songs auszeichnen: eine klare Geschichte, Alltagssprache und ein feines Gespür für Situationen, die zunächst unspektakulär erscheinen und gerade deshalb glaubwürdig wirken.

Nur wenige Wochen später folgte am 17. April 2026 mit «meh meh meh» eine weitere Single. Auch damit setzte Liga seinen Weg als Mundartmusiker fort, bevor im Mai das Album «luut dänkt» auf den Streamingplattformen auftauchte. Die Veröffentlichungsaktivität zeigt, dass Andry Liga 2026 deutlich Fahrt aufgenommen hat und seine musikalischen Gedanken nicht mehr nur vereinzelt, sondern zunehmend in einem grösseren Zusammenhang präsentiert. Seine Stärke liegt dabei weniger in grossen Inszenierungen als im genauen Blick auf das, was direkt vor seiner Haustür passiert. Zürich wird bei ihm nicht zur glänzenden Grossstadtkulisse, sondern zum Schauplatz ganz normaler menschlicher Geschichten. Er beobachtet Menschen, ihre Angewohnheiten und ihre kleinen Widersprüche und findet darin Stoff für Songs, die gleichzeitig unterhalten und zum Wiedererkennen einladen.

«Sunä & Wulchä» passt deshalb hervorragend zu Andry Ligas bisherigem musikalischem Profil. Die neun Songs zeichnen kein Leben, in dem alles perfekt läuft, sondern eines, in dem Licht und Schatten ständig wechseln. Mal überwiegt das Augenzwinkern, mal wird es nachdenklicher, doch selbst in den ernsteren Momenten bleibt seine Musik bodenständig und nahbar. Gerade weil Liga offenbar nicht versucht, jünger, lauter oder spektakulärer zu wirken, als er ist, besitzen seine Beobachtungen Glaubwürdigkeit. Er schreibt aus einer Perspektive, die bereits einiges erlebt hat und trotzdem neugierig geblieben ist. Damit wird «Sunä & Wulchä» zu einem musikalischen Notizbuch aus dem Zürcher Alltag – voller kleiner Geschichten, pointierter Gedanken und jener unscheinbaren Momente, bei denen man plötzlich merkt: Genau so ist das Leben eben manchmal.


Hier finden sie weitere CH-Hits-Vorstellungen unserer Musikredaktion aus den vergangenen Wochen: CH-Hits der Woche (Übersicht)

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